Akademisches Lehrkrankenhaus der Philipps Universität Marburg

Kreiskrankenhaus Frankenberg Multimodale Schmerztherapie

Unter der Multimodalen Schmerztherapie versteht man die interdisziplinäre Diagnostik und Behandlung von Schmerzzuständen. Sie gilt als das effektivste Mittel gegen chronische Schmerzen. Ihr Ziel ist es, einen oder mehrere Lösungsansätze zu finden, mit denen die Schmerzen überwunden werden oder zumindest eine größtmögliche Linderung erreicht wird. Besonderer Wert wird daraufgelegt, eine Langzeitwirkung, in Bezug auf die Schmerzkontrolle und die Lebensqualität zu erreichen, weshalb auch die Einbindung des Hausarztes erwünscht ist. Eine Fortführung der verschiedenen Therapien im ambulanten Bereich zur Stabilisierung des Patienten wird angestrebt.

Die Basis dafür bildet eine ausgedehnte Diagnostik. Die individuell abgestimmte Therapie steht auf verschiedenen Behandlungs-Säulen wie Bewegungstherapie, medikamentöser Therapie, Psychotherapie und invasiver Schmerztherapie. Kombiniert man sie, lassen sich Synergieeffekte erzielen, weil sich die positiven Wirkungen gegenseitig verstärken.

Zum Team gehören Ärzte der Fachrichtungen Neurologie, Neurochirurgie, Anästhesie oder Orthopädie. Hinzu kommen Physio- und Ergotherapeuten, sowie Psychologen. Der Schmerztherapeut dirigiert dieses Orchester, um die optimale Lösung für den Patienten zu erreichen.

 

Bewegungstherapie

Seit längerem hat sich die Überzeugung durchgesetzt, dass  die Bewegungstherapie eine wichtige Rolle in der Schmerztherapie spielt. Bei der multimodalen Schmerztherapie dient die Gruppentherapie der Schaffung des Vertrauens, dass auch normale Bewegungen und körperliche Leistungsfähigkeit mit Schmerzen möglich ist. Die Einheiten verbessern die Kraft, Beweglichkeit und Ausdauer. Ebenso sollen Möglichkeiten aufgezeigt werden, die Schmerzeinschränkung zu überwinden. Die Gruppen haben eine maximale Größe von 8, so dass ein Eingehen auf jeden Patienten möglich ist.

Medikamentöse Schmerztherapie

Die Behandlung chronischer Schmerzen mit Medikamenten gehört zu den Standardverfahren. Wir verfügen über ein breites Arsenal an Wirkstoffen, die dem Patienten Linderung verschaffen können. Die optimale Dosierung und Kombination der Medikamente muss austaxiert werden. Neben klassischen Analgetika kommen auch entzündungshemmende, antirheumatische oder antidepressive Wirkstoffe zum Einsatz, die durch Synergieeffekte die Dosierung des Einzelwirkstoffes senken helfen.

Die Ziele der  Therapie sind:

  • Maximal erreichbare Schmerzlinderung
  • Nebenwirkungsarme Dosierung
  • geringstmögliche Belastung des Organismus
  • Vermeidung einer Abhängigkeit

Die Medikamentengabe sollte niemals die einzige Therapieform sein. Ihre Wirkung lässt sich durch andere Maßnahmen der multimodalen Schmerztherapie häufig verbessern, bzw. die Dosierung kann durch sie verringert werden.

Psychologisches Training zur Schmerzbewältigung

Egal, was der ursprüngliche Auslöser für das Schmerzgeschehen ist, die dauerhaften oder ständig widerkehrenden Schmerzen führen fast bei allen Patienten zu einer immensen seelischen Belastung, depressiven Stimmungen und Angst. Die Schmerzen schränken die Teilnahme am Arbeits- und privatem Sozialleben ein und belasten zwischenmenschliche Bezieungen zu Partner, Angehörigen und Freunden. Deshalb ist die Einbindung von Psychotherapeuten in das multimodale Behaadlungsteam selbstverständlich.

Von der psychologischen Seite soll das Wissen um das Schmerzerleben vertieft werden, die Patienten sollen erkennen können wie Schmerz den Alltag beeinflusst oder auch der alltägliche Stress den Schmerz beeinflusst. Mit diesem Wissen werden den Patienten psychologische Schmerzbewältigungsstrategien vermittelt. In begleitenden Einzelgesprächen bleibt die Möglichkeit, persönliche Fallen und Probleme zu thematisieren, sowie eine Lösung dieser zu erarbeiten. Aus dem psychologischen Bereich gibt es sehr viele Interventionsmöglichkeiten gegen den Schmerz, die vor allem in der Kombination mit anderen Maßnahmen sehr hilfreich sind.

Invasive Schmerztherapie / Neurostimulation

Bei schwierigen Schmerzsyndromen kann in der multidisziplinären Gruppe dann auch über die invasiven Methoden gesprochen werden, Bei diesen Verfahren werden operativ elektrische Impulsgeber zur Neurostimulation eingepflanzt.  Mit diesen Methoden kann bei richtiger Indikationsstellung wieder ein fast normales Leben erreicht werden.

Die Rückenmark-Stimulation (Spinal Cord Stimulation SCS) oder die periphere Stimulation (periphere Stimulation SPNS) zielen durch die elektrische Stimulation des Nervengewebes darauf ab, das körpereigene Schmerzsignal zu überlagern. Hierdurch kann der Patient eine deutliche Schmerzreduktion erreichen. Das Allgemeinbefinden verbessert sich und damit die Möglichkeit, aktiv am Alltag teilzunehmen. Die Schmerzmitteleinnahme kann ebenfalls reduziert werden.

Ein verwandtes Verfahren, die Okzipitalis-Nervenstimulation (ONS), kann bei Migräne- oder Cluster-Kopfschmerz-Patienten angewendet werden. Der Patient setzt bei Auftreten einer Schmerzattacke den Stimulator selbst mit einem Bedienungselement in Aktion, bis die Kopfschmerz-Attacke überwunden ist. Die Anzahl und Intensität der Anfälle kann mit der Methode bei vielen Patienten verringert werden.